Als ich am Freitagnachmittag die Jugendherberge betrete, bin ich nicht
die erste unserer Gruppe: eine Teilnehmerin aus Süddeutschland ist schon
vor einer Weile angereist. Ich schaue mir unseren Tagesraum an: geräumig,
mit Parkettboden, hell - was will man mehr? Während ich mir einen Überblick
verschaffe (Ist das Klavier gestimmt? Wie stellen wir die Stühle?),
kommen die ersten der 28 Teilnehmer zum Seminar "Kinderchorleitung I",
und die Betriebsamkeit beginnt: Verteilung der Schlafräume, Schlüsselvergabe,
Namen abhaken, "schreibt euch doch bitte ein Namensschild" - erst als
um 18.30h das Abendbuffet aufgebaut wird, kehrt ein wenig Ruhe ein.
Bevor wir groß ins Reden geraten, startet um halb acht schon Detlef
Streich mit den ersten Übungen. Stimmbildung mit Kindern? Was im
Lehrplan theoretisch daherkam, wird lebendig, als wir "A"s auf imaginäre
Zettel schreiben und an ebenso imaginäre Wäscheleinen hängen. Stimmübung,
Geste, Geschichte, alles bildet ein Ganzes, das sogar den Erwachsenen
Spaß macht. Spätestens, als wir unter viel Gelächter zum Lied "Finster,
finster" nächtliche Glühwürmer in die Luft zeichnen, haben die letzten
ihre Hemmungen abgelegt. Die zentrale Lektion des Abends ist für mich:
"Erklär und beschreib den Kindern nicht soviel, sing es einfach vor!"
Nach dieser ersten Arbeitsphase ist dann Zeit zum gemütlichen Sitzen
und Reden im Tagesraum, dessen weißem Neonlicht wir mit Hilfe
von vielen Teelichtern ein Schnippchen schlagen.
Am Samstag arbeiten wir weiter: in der Gesamtgruppe stellt Detlef Streich
an verschiedenen Stücken Probentechniken vor. Wie führe ich ein Lied
ein? Was mache ich, wenn einige nur brummen? Dass bei dieser Arbeit
auch manche Probleme der Arbeit vor Ort auf den Tisch kommen, überrascht
nicht. In Kleingruppenarbeit wird das Gehörte noch einmal ausprobiert
und vertieft. Am Abend dieses anstrengenden Tages ist dann Gelegenheit,
die mitgebrachten Instrumente einzusetzen und am Beispiel Fragen der
Instrumentierung und Begleitung nachzugehen.
Der Probenraum in der Jugendherberge
Sonntagvormittag ist veranstaltungsfrei, was die Gruppe zum gemeinsamen
Gottesdienstbesuch nutzt. Nach dem Mittagessen beginnt die letzte Arbeitsphase,
die schon relativ früh (um 15h) endet, da einige noch einen weiten Heimweg
vor sich haben. In einer kurzen Abschlussrunde geben wir alle unsere
Eindrücke wieder: "viel gelernt", "Riesenspass", "Organisation prima",
aber auch "wie soll ich das alles bloss umsetzen?", so lautet der Tenor.
Müde und doch motiviert machen wir uns nach einem letzten
Kaffee auf den Heimweg. Sicher ist die eine oder der andere schon in
Gedanken bei seiner nächsten Kinderchorprobe - oder einfach auf dem
heimischen Sofa. :-)